Was bedeutet es ‘Deutsch’ zu sein?

Vier Frauen erzählen Quorum von ihrem Verhältnis zu Deutschland

 

Pünktlichkeit, Sauberkeit und Ordnung sind Stereotype, die "typischen Deutschen" oftmals im Ausland zugesprochen werden. Aber was bedeutet es eigentlich aus einer innerdeutschen Sicht "Deutsch" zu sein? Akzentfreies Deutsch zu sprechen? Ein besonders kritisches Verhältnis zu Patriotismus und Nationalstolz zu haben? Oder doch eher bilingual aufgewachsen zu sein und den lebenslangen Stempel "mit Migrationshintergrund" hinter sich herzuziehen? Die deutsche Gesellschaft, die heute eine Einwanderungsgesellschaft ist, ist so divers wie nie zuvor. Ihre Vielfalt spiegelt sich in verschiedenen Lebensstilen, Identitäten, Religionszugehörigkeiten und politischen Auffassungen wider. Ob und inwiefern die Zuschreibung "Deutsch" noch passend für unsere Gesellschaft ist und wie die Sicht der 'Mehrheitsgesellschaft' darauf aussieht, werden wir in diesem Gespräch thematisieren. Erkennt die deutsche Mehrheitsgesellschaft ihre eigene Pluralität an? Und wie lebt es sich eigentlich in dieser? Was verbinden wir heute noch mit "Deutsch" sein und kann man zu Deutschland auch einen positiven Bezug aufbauen, der über Klischees und unser historisches Gedächtnis hinausreicht? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir Gäste eingeladen, die sich auf die eine oder andere Weise mit diesen Fragen schon beschäftigt haben und ihre ganz individuelle Lebensgeschichte mitbringen. Zu ihnen gehören: Dr. Juliane Fürst, Historikerin am Zentrum für Zeithistorische Forschung, Anh Tran, Journalistin des Deutschlandfunks, Katarina Niewiedzial Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration und Julia Boxler, Journalistin und Podcasterin des X3 Podcasts.
 
 

TeilnehmerInnen: 

Dr. Juliane Fürst ist Historikerin am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF), wohnt nun in Berlin davor in London, New York und gelegentlich auch in Moskau. Die gebürtige Münchnerin lebte mehr als zwei Jahrzehnte in Großbritannien. Vor kurzem kehrte sie als "Deutsche" nach Deutschland zurück und musste lernen, dass die Rückkehr nach "Hause" gar nicht so leicht ist, wie sie dachte.

Katarina Niewiedzial ist Beauftragte des Berliner Senats für Partizipation, Integration und Migration. Damit ist sie die erste Integrationsbeauftragte mit einem Migrationshintergrund. Niewiedzial migrierte mit 12 Jahren gemeinsam mit ihren Eltern von Polen nach Deutschland. Ihr Lebensweg steht exemplarisch für den Werdegang vieler engagierter Mitglieder der deutschen Einwanderungsgesellschaft.

Anh Tran ist Journalistin und in Dresden geboren und aufgewachsen. Ihre Mutter kommt aus dem Vietnam. Mit ihrer Reportage "Heimat tut weh" hat Tran den Deutschen Radiopreis gewonnen. Anh Tran war selbst oft von Diskriminierung betroffen und weiß wie es ist nicht als nicht als Teil der Mehrheitsgesellschaft wahrgenommen zu werden.
 
Julia Boxler ist Journalistin und Podcasterin und in post-Ost Kreisen vor allem durch ihr Podcast Projekt X3 bekannt, das sich mit der Lebensrealität von Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland befasst. Boxler migrierte mit 10 Jahren als Russlanddeutsche von Kasachstan nach Deutschland. Mittlerweile lebt und arbeitet sie in Berlin, zwischenzeitlich wohnte sie jedoch auch in Kasachstan und Russland.
 

Moderator: 

Nikolai Klimeniouk, Journalist und Leiter der Initiative Quorum.

Das Gespräch fand am 15. Dezember 2021  in Berlin in den Räumlichkeiten der PANDA platforma statt.

 

 

 

 

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