Quorum-Chat. Friedlicher Protest - Protest der Schwächlinge?

Die fortlaufende Revolution in Belarus. Interview mit Natallia Vasilevich und Olga Shparaga

 

Der 9. Dezember markierte vier Monate seit den Wahlen in Belarus, bei denen - nach Einschätzung unabhängiger Beobachter und Analysten - Präsident Lukaschenko eine vernichtende Niederlage erlitt und Swetlana Tichanowskaja eine Mehrheit der Stimmen erhielt. Trotzdem erklärte sich Lukaschenko zum Sieger, und seitdem gibt es im Land Massenproteste. Sie werden mit unglaublicher Brutalität unterdrückt; seit ihrem Beginn wurden mehr als 30.000 Menschen verhaftet, sehr viele von ihnen wurden misshandelt, geschlagen und gefoltert. Einige Menschen starben, viele wurden schwer verletzt. Trotzdem gehen die Belarussen weiterhin auf die Straße und fordern friedlich den Machtwechsel. Wie lange kann das alles noch weitergehen? Hat ein solcher friedlicher Protest eine Perspektive und kann er friedlich bleiben? Und wie kommt es, dass Frauen die führende Kraft und zentrale Figur des Protests geworden sind?


Teilnehmerinnen:
Natallia Vasilevich - Theologin, Politologin und Juristin, Direktorin des Zentrums "Ökumene", Mitglied der Gruppe "Christliche Vision" des Koordinierungsrates von Belarus, Chefredakteurin der Journals interkonfessioneller und interdisziplinärer Studien "Zbozzha".

Olga Shparaga ist Philosophin. Seit August 2020 ist sie Mitglied der Fem-Gruppe des Koordinierungsrates von Belarus. Im Oktober verbrachte sie 15 Tage im Gefängnis und verließ das Land nach einem neuen Urteil. Derzeit ist sie Beraterin der gewählten belarussischen Präsidentin Swetlana Tichanowskaja im Bildungsfragen. Sie studierte Philosophie in Belarus und Deutschland. Von 2001 bis 2014 lehrte sie an der EHU in Minsk und Vilnius. Von 2006 bis 2014 war sie Mitherausgeberin der Online-Zeitschrift "New Europe" (www.n-europe.eu), derzeit ist sie Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Zeitschriften Ideology and Politics Journal, The Interlocutor und pARTisan sowie der philosophischen Buchreihe Libri Nigri. Sie hat an Universitäten und Forschungszentren in der Tschechischen Republik, Polen, Litauen, Deutschland und den USA hospitiert und gelehrt.
 
Moderator:
Nikolai Klimeniouk- Journalist und Projektleiter von Quorum.
 
Das Gespräch fand am 10. Dezember 2020 in Berlin bei PANDA platforma statt.
 

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