Dossier: Kwerdenkery

Leugnung der Corona-Pandemie in den Netzwerken der postsowjetischen Migrant*innen in Deutschland. Ein Dossier von Boris Schumatsky

 

Summary

Die Szene der postsowjetischen Corona-Leugner*innen in Deutschland ist gerade dabei, ihre führenden Social Media-Accounts und Gruppen herauszubilden. Einige Accounts und Medien haben gute Chancen, ihren Einfluss demnächst deutlich zu steigern. Das Netzwerk der Corona-Leugner*innen hat einige Überschneidungen mit den Netzwerken der Kreml-Sympathisant*innen und Einwanderungsgegner*innen, die sich seit 2015 unter den post-sowjetischen Migrant*innen etabliert haben. Damals wurden sie stark von den russischen Staatsmedien und Troll-Operationen beeinflusst.

Heute scheinen die russischen Staatsmedien keine gezielten Desinformationskampagnen zu führen, dennoch behalten sie in ihrer Pandemie-Berichterstattung ihre politische Grundeinstellung bei. Nach wie vor schüren sie Zweifel an der liberalen Demokratie und nutzen negatives Framing in ihren Berichten über die Schutzmaßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie im globalen Westen.

Politische Verbindungen der postsowjetischen Corona-Leugner*innen reichen fast ausschließlich ins rechtsradikale Spektrum. Dieses Dossier beschreibt grundlegende Entwicklungen in der Szene der postsowjetischen Corona-Leugner*innen, darunter die Rechtsdrift, wertet diese aber nicht quantitativ aus.

Die Corona-Leugner*innen bezeichnen sich als Covid-Dissidenten oder Kwerdenkery, doch bei aller Nähe zur Querdenker-Bewegung steht die postsowjetische Szene noch kurz vor dem Aufbruch zum aktiven Widerstand und zur Bildung eigener Vereinigungen. Abhängig davon, wie sich die Pandemie 2021 weiterentwickelt, kann man sowohl eine weitere Radikalisierung der Szene nicht ausschließen, als auch ihre engere Einbindung in die rechtsradikale Politik.

Um solchen Entwicklungen nachhaltig vorzubeugen, ist es wichtig, die Wissenschaftsfeindlichkeit, Impfleugnung oder Esoterik ernst zu nehmen, jedoch nicht als eine legitime andere Meinung. Zweitens sollten Gegenstimmen gegen die Corona-Leugnung unterstützt werden, der in den postsowjetischen Netzwerken bereits vorhandenen sind. Drittens sollte die Wissenschaftsaufklärung Teil der politischen Bildungsarbeit werden, und die Integrationsprogramme sollten die freiheitlich-demokratischen Stimmen stärker einbeziehen.

 

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