Quorum Chat. Angezweifelte Identität

Fremdzuschreibung und Selbstwahrnehmung bei Russlanddeutschen und post-sowjetischen Juden

 

Herkunft und Identität sind oft auf den ersten Blick nicht erkennbar. Die deutsche Migrationsgesellschaft besteht aus vielen Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind, fließend Deutsch sprechen, sonntags Tatort gucken und montags pünktlich bei der Arbeit erscheinen, sich aber dennoch nicht Deutsch fühlen. Aus Menschen, die noch eine weitere Sprache fließend sprechen und nicht-christliche Feiertage feiern. Obwohl sie die meiste Zeit ihres Lebens in Deutschland verbracht haben, ernten sie unverständliche Reaktionen, wenn sie darüber sprechen, dass sie sich hier nie so richtig zu Hause gefühlt haben. Gleichzeitig gibt es jene Menschen, die sich als deutsch bezeichnen und fühlen, als solche aber nicht anerkannt werden, weil sie Deutsch mit einem Akzent sprechen, in einem anderen Land geboren sind und anstatt des Tatorts Brigada im Fernsehen gucken. Diese Identitätskonflikte werden oft im Verborgenen ausgetragen und bleiben deswegen unsichtbar. Wie fühlt es sich an, wenn einem die eigene Identitäts- und Erfahrungswelt abgesprochen oder eine andere zugesprochen wird? Wie viel Fremd-und wie viel Selbstzuschreibung verbirgt sich hinter der eigenen Identitätsbildung und wie facettenreich kann jene sein? Wie kann man unterschiedliche Facetten der eigenen Identität miteinander in Einklang bringen und wie bricht man aus jener Unsichtbarkeit aus? Diese und viele weitere Fragen diskutierten wir mit den Journalisten Erica Zingher und Artur Weigandt.
 

TeilnehmerInnen: 

Erica Zingher, Journalistin und Redakteurin für Gesellschaft und Medien im Ressort taz zwei. Zingher migrierte mit Ihrer Familie 1995 als jüdischer Kontingentflüchtling von Transnistrien nach Deutschland. Ihre Migrationserfahrung verarbeitete sie in dem vielbeachteten Artikel Was wächst auf Beton? (22.11.2020, TAZ). Sie studierte in Hamburg und Berlin Europäische Ethnologie, Gender Studies und Osteuropastudien.

Artur Weigandt, freier Journalist, schreibt u. A. für die FAZ, Süddeutsche Zeitung, DIE ZEIT und Die Welt. Weigandt ist russlanddeutscher Herkunft und hat wie Zingher seine Migrationserfahrungen in Artikeln verarbeitet, u. A. in dem berühmten Artikel Wir sind die Unterdrückten und die Unterdrücker (31.10.2021, FAS). Er studierte Germanistik und Ästhetik in Frankfurt und absolvierte die Deutsche Journalistenschule (DJS).

Moderator: 

Nikolai Klimeniouk, Journalist und Leiter der Initiative Quorum.

Das Gespräch fand am 29. November 2021  in Berlin in den Räumlichkeiten der PANDA platforma statt.

 

 

 

 

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